Am 6.12. gings mit Turkish Airlines endültig los in den Sudan, nach Khartoum. Nach längerem Zwischenstop in Istanbul kamen wir dann endlich am nächsten Morgen, dem muslimischen Neujahrstag, um 02.20 Uhr sehr sehr müde in Khartum an.. die Ankunftshalle des Flughafens gab uns schon mal einen ersten Eindruck, was wohl in den nächsten 2 Jahren auf uns zukommen wird.. not a lot (-; Der Chauffeur der Botschaft brachte uns dann ins Hotel, wo wir für längere Zeit bleiben werden, denn die Dienstwohnung ist noch nicht fertig renoviert und die Seefracht aus Belgien mit unseren Möbeln wird auch ca. 6 Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Heute, eine gute Woche später haben wir uns schon ein wenig an das sudanesische Leben gewöhnt: das Essen bereitetet uns nicht mehr so enorme Magenverstimmungen wie am Anfang, den Sand auf den Kleidern versuchen wir nicht mehr abzuklopfen oder vom Tisch zu putzen, denn 1 Min. später ist er bestimmt wieder da, und die zensierten Filme gehören schon fast dazu. Während Martina sich nun langsam an ihr neues Aufgabengebiet antastet und dabei versucht, ihren Kopf von Französisch ins Englische umzupolen, kümmert sich Arieh derweil um SIM-Karten-Probleme, Empfang von Schweizer Fernsehen etc. und wartet dabei sehnsüchtig auf die Luftfracht und die darin mitgelieferte typisch schweizerische Migros-Fertigröschti (-;
Unser zukünftiges Daheim noch in leicht desolatem Zustand:
Am 25. November erhielten wir das lang ersehnte Prüfungsergebnis, dass alle 16 stagiaires der Volée 2009/2010 die Abschlussprüfungen bestanden haben, d.h. nun geht es für uns defnitiv am 6.12. nach Khartum in den Sudan und von Minusgraden in die +35 Grad-Hitze. Wir freuen uns! Hier einige Eindrücke der Prüfungswochen beim EDA in Bern und den lieben stagiares-Kollegen, welche sich bald weit weg nach Manila, Baku, Riad, Dubai, Moskau, Pristina, Buenos Aires, Kairo etc. etc. verstreuen. Nach der Katastrophenvolée des letzten Jahres dürfen wir uns jetzt als Super-Volée bezeichnen (-:
Das Jahr in Brüssel ist schon wieder vorbei und erneut heisst es Packen, Verstauen und den Möbeln, die einem überall auf dieser Erde ein zu Hause schaffen, wehmütig nachzuschauen, wenn sie in dem Container verschwinden. Wo werden wir sie wiedersehen: in Khartum, dem Wüstengebiet, oder in der Schweiz bei Schnee? Ein komischer Abschied, wenn man nicht weiss, was kommt; wenn man nicht weiss, ob man jetzt Sommer- oder Winterkleider einpacken soll und nicht weiss, ob man in 3 Wochen ohne Job und ohne Wohnung wieder in der Schweiz steht. Nun denn, zuerst geht es für 2 Wochen nach Zürich in die Ferien und dann für 3 Wochen an die Abschlussprüfungen nach Bern:
Am Dienstagmittag nahmen wir an einer Führung durch den Justizpalast teil. Er überragt das ganze Zentrum Brüssels und prägt die Innenstadt wie kein zweites Bauwerk. Der imperialistische Monarch Leopold II (bis 1865 Prinz, dann bis 1909 König der Belgier) schmückte sein kleines Land mit allem, was prächtig und pompös genug war und er wollte in Brüssel ein repräsentatives Zeichen für die Welt setzen. Für den Justiztempel wurde 1860 ein internationaler Architektenwettbewerb ausgerufen und Joseph Poelart, selbst Mitglied der Jury, überzeugte mit einer abenteuerlichen, mit Zeichenkohle hingeworfenen Skizze. Ohne je irgendwelche Grundrisse zu präsentieren, machte sich dieser dann sofort an die Arbeit und 17 Jahre später hatte das Bauprojekt 50 Millionen Goldfranc (umgerechnet ca. 250 Millionen Euro) verschlungen! Auf einer Fläche von insgesamt 52.464 m2 zählt das Haus der Justitia mehrere Höfe, Gerichtssäle und über 200 weitere Räume! Übrigens wurden hier im Juni 2010 eine Richterin und eine Justizangestellte erschossen. Der Verhandlungssaal des Kassationsgerichtes: Aus Platzgründen wurden gewisse Abteilungen, wie das Handelsgericht oder das erstinstanzliche Zivilgericht, aus dem Justizpalast verbannt, befinden sich jedoch in unmittelbarer Nähe: